Ein modernes Wohnzimmer macht auf jeden Fall etwas her. Doch kann eine quietschende Tür nicht nur Sie selbst, sondern vor allem auch Ihre Nachbarn auf die Palme bringen

Ein modernes Wohnzimmer macht auf jeden Fall etwas her. Doch kann eine quietschende Tür nicht nur Sie selbst, sondern vor allem auch Ihre Nachbarn auf die Palme bringen

Wenn Sie als Mieter eine quietschende Tür in der Wohnung eines Nachbarn ertragen müssen, ist eine Mietminderung nicht ausgeschlossen. Allerdings hängt es von einigen Faktoren ab, ob Sie die Zahlungen einfach reduzieren dürfen. Und genau das ist es, worum es auf dieser Seite im Kern geht. Wenn Sie also das Problem haben, dass es nebenan eine quietschende Tür gibt: Wir dröseln dieses Thema hier auf. Dabei gehen wir darauf ein, was als störend gilt – dafür gibt es nämlich durchaus objektive Kriterien. Darauf werden wir auf dieser Seite näher eingehen. Außerdem zeigen wir Ihnen auf, welche Schritte Sie einleiten sollten, wenn eine quietschende Tür in Ihrer Umgebung nervt. Am Ende der Seite finden Sie auch ein Musterschreiben, das Sie so oder leicht verändert an Ihren Vermieter senden können. Der Hintergrund: Sie sollten nach Möglichkeit etwas Schriftliches vorzeigen können. Denn spätestens dann, wenn ein Streit eskalieren und vor Gericht landen sollte, sind Sie in der Nachweispflicht.

Und zu dieser Pflicht gehört es, dass Sie dokumentieren können, dass Sie alles Notwendige getan haben, um den entstandenen Mietmangel zu melden – dazu gehört, nicht nur mit dem entsprechenden Nachbarn zu reden, der die quietschende Tür zu verantworten hat, sondern auch mit dem Vermieter zu telefonieren und eben einen Brief an diesen Vermieter bzw. eine Email zu senden. In dieser Mail sollten Sie ebenfalls alle Versuche auflisten, die Sie unternommen haben, um mit dem Nachbarn zu sprechen. Das bedeutet, dass Sie von Beginn des Problems an aufschreiben sollten, wann Sie einen Kontaktversuch unternahmen. Notieren Sie auch, warum der Versuch der Kontaktaufnahme scheiterte und wie sich Ihr Nachbar dabei verhalten hat.

Eine quietschende Tür kann viele Nerven kosten

Dass eine quietschende Tür beim Nachbarn nervlich total belastend sein kann, steht außer Frage. Doch es gibt Mittel und Wege, wie Sie versuchen können, das Problem zu lösen. Ein erster Schritt auf diesem Weg ist natürlich, das Gespräch zu suchen. Die einfachste Variante: Der Nachbar zeigt Verständnis für Ihr Problem, ölt das Scharnier der Tür und fertig. Dann bleibt allen Beteiligten weiterer Ärger erspart. Doch leider ist die Realität eben nicht immer so – das wäre ja auch zu schön.

Denn es kommt oft genug vor, dass man sich mit dem Nachbarn nicht gut versteht und dass Streit jetzt programmiert ist – und dennoch sollten Sie versuchen, den Nachbarn mit ins Boot zu holen, damit hier nichts eskaliert. Wenn das nicht im direkten Gespräch mit dem Nachbarn möglich ist, sollten Sie den Vermieter hinzuziehen. Dann kann dieser in aller Ruhe das Gespräch suchen und führen und dem Nachbarn vermitteln, dass die Tür quietscht. Der Vermieter ist allerdings auch nicht verpflichtet, sich darum zu kümmern, das sollten Sie wissen. Allerdings riskiert er in diesem Fall, dass Sie womöglich eine Mietminderung durchführen – und das nicht völlig unberechtigt.

Quietschende Tür – wann ist eine Mietminderung drin?

Die Frage nach der Mietminderung für eine quietschende Tür ist eine Frage, die nicht pauschal beantwortet werden kann. Wie so oft spielen hier individuelle Umstände eine besondere Rolle. Allerdings gibt es auch einen Wert, den man pauschal heranziehen kann. Dabei handelt es sich ganz einfach um die Häufigkeit, mit der das Quietschen auftritt. (Um die Lautstärke geht es nur nebenbei. Denn stellen Sie sich vor, dass das Geräusch nur ganz subtil auftritt und Sie es kaum bewusst wahrnehmen. Sie hören es aber eben doch – und damit ist der Nervfaktor besonders hoch. Das Geräusch kann dann zu einer noch größeren Belastung werden, als das eine laut quietschende Tür könnte.)

Zur Frage der Mietminderung lässt sich Rechtsanwalt Andreas Scheuermann zitieren. Folgende zentrale Aussagen sind dabei von Bedeutung:

  • Wenn die quietschende Tür die Qualität des Wohnens erheblich beeinträchtigt, liegt auch ein erheblicher Mietmangel vor. Und ein solcher Mangel ist immer die erste Voraussetzung dafür, dass eine Mietminderung überhaupt denkbar ist.
  • In zweiter Instanz geht es dabei um das Geräusch, das eine quietschende Tür verursacht. Ist es deutlich vernehmbar und wie oft tritt es auf? Das sind genau die Punkte, auf die es dabei ankommt.
  • Wenn das Quietschen nur ein paar Mal über den Tag verteilt auftritt, dann haben Sie für eine Mietminderung schlechte Karten.
  • Ist die quietschende Tür jedoch deutlich und mehrmals stündlich zu hören, dann stehen die Chancen besser. Jetzt können Sie eine Mietminderung durchführen, wenn alle anderen Bemühungen wie persönliche Gespräche nicht zum Erfolg geführt haben.
  • Die angemessene Höhe der Mietminderung beziffert der Anwalt auf fünf bis zehn Prozent, abhängig von Häufigkeit und Lautstärke.
  • Allerdings sollten Sie sich nicht darauf verlassen, dass der Vermieter die Minderung einfach so hinnimmt. Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass er dagegen klagt und die Sache vor Gericht kommt.

Ein Sachverständiger kann Abhilfe schaffen

Wenn eine quietschende Tür Ihnen das Leben erschwert und Sie sich absichern wollen, dann lassen Sie einen Gutachter kommen. Diesen müssen Sie zwar selbst bezahlen – allerdings kann das später vor Gericht Gold wert sein. Hin und wieder kann es auch vorkommen, dass ein Richter sich die Lärmbelastung in Ihrer Wohnung selbst anhört.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Häufigkeit, mit der die quietschende Tür zu hören ist, das wohl entscheidende Kriterium für die Frage nach der Mietminderung ist; außerdem sollten Sie nachweisen können, dass Sie alle anderen Wege vorher betreten haben (gemeint sind hier das direkte Gespräch mit dem Nachbarn sowie das Gespräch, in dem Sie sich an Ihren Vermieter gewendet haben). Lesen Sie nun, wie Sie das Schreiben an den Vermieter formulieren können.

 

Mietminderung Quietschende Tür | Musterschreiben

Sehr geehrter Vermieter [XY],

zunächst störte es uns nicht weiter, doch es wird immer vernehmbarer. In der Wohnung unseres Nachbarn [XY] wird eine quietschende Tür immer lauter und für uns unangenehmer. Es handelt sich dabei beileibe nicht um ein Geräusch, das selten auftritt. Wir haben hierzu genaue Aufzeichnungen gemacht, die wir Ihnen bereits zeigen wollten. Leider sind Sie unserer Aufforderung, mit dem Nachbarn zu sprechen, nicht gefolgt.

Die quietschende Tür ist nach 17 Uhr etwa acht Mal pro Stunde zu vernehmen. In den sechs Stunden bis 23 Uhr ist das annähernd 50 Mal – für uns eine extreme Belastung. Das Quietschen ist zwar auch laut, aber dennoch mehr von der Sorte, die ein sehr unangenehmes Hintergrundgeräusch abgibt.

Wir haben nicht nur die quietschende Tür und die Häufigkeit dokumentiert. Nein, außerdem haben wir protokolliert, wann und wie fot wir versucht haben, mit dem Nachbarn zu sprechen. Denn gern hätten wir diese Angelegenheit zunächst intern behandelt. Allerdings wurde uns mehrfach zugesagt, dass das Quietschen mit dem Einölen des Scharniers behoben worden sei. Das entspricht jedoch nicht der Wahrheit, denn das Geräusch kommt unverändert oft und klar in unserer Wohnung an.

Bitte kümmern Sie sich

Leider müssen wir auch feststellen, dass unsere mündliche Aufforderung an Sie, das Gespräch mit dem Nachbarn zu suchen, bis dato noch zu keiner Veränderung geführt hat; wir haben Ihnen das Problem am [Datum] um [Uhrzeit] persönlich geschildert, als wir Sie im Haus angetroffen haben. Das ist nun bereits knapp drei Wochen her, seitdem hat sich nichts geändert. Wir müssen darum davon ausgehen, dass Sie unserer Bitte nicht entsprochen haben.

Mit diesem Schreiben möchten wir Sie nun erneut bitten, das Problem zu lösen. Wie Sie das tun, bleibt Ihnen überlassen. Sollte die quietschende am kommenden Donnerstag, den [Datum], noch immer zu vernehmen sein, so werden wir die Miete mindern. Nach all dem Aufwand, den wir bis dato zu diesem Thema betrieben haben, erscheint uns das als angemessen. Eine Minderungsquote von zehn Prozent erachten wir aufgrund der Häufigkeit des Lärms durchaus nicht als unangemessen. Bitte kommen Sie Ihren Pflichten als Vermieter nach.

Mit freundlichen Grüßen, Familie [X]