Schimmel im Schlafzimmer ist nicht nur unangenehm, sondern mindestens schädlich, wenn nicht hochgradig gefährlich. Wie sieht es mit einer Mietminderung aus? Wir beantworten diese Frage

Schimmel im Schlafzimmer ist nicht nur unangenehm, sondern hochgradig gefährlich.

Wenn Sie Schimmel im Schlafzimmer feststellen, ist dringendes Handeln angesagt. Oft ist für Sie eine Mietminderung nicht ausgeschlossen. Doch hängt das vor allem davon ab, wer die Schimmelbildung zu verantworten hat. Das sind oft Streitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter, die sich bis vor ein Gericht fortsetzen. Und natürlich lässt sich auch im Nachhinein noch beweisen, wem der Schimmel im Schlafzimmer anzulasten ist. Doch bevor es dazu kommt, sollten Sie auf jeden Fall ein Schreiben an Ihren Vermieter aufsetzen. In diesem Schreiben (eine Mail genügt in der Regel) beschreiben Sie die Situation ausführlich. Nennen Sie dem Vermieter eine Frist, bis zu der er den Schaden begutachtet haben sollte. Wenn Sie sich sicher sind, dass bauliche Mängel für die Schimmelbildung verantwortlich sind, dann können Sie auch gleich eine Frist nennen, bis zu der der Vermieter den Schimmel im Schlafzimmer beseitigen sollte.

Warum aber ist die schriftliche Benachrichtigung so wichtig? Nun, als Mieter sind Sie in einem solchen Fall vor Gericht in der Nachweispflicht. Das heißt, Sie müssen den Mietmangel dokumentieren (am besten anhand von Fotos) und belegen, dass sie diesen gemeldet haben. Andernfalls hat das Gericht nichts Verwertbares in der Hand. Doch natürlich landet nicht jeder Streit vor Gericht. Wenn dem Vermieter klar ist, dass der Schimmel im Schlafzimmer nicht auf Ihre Kappe geht, dann dürfte er beim Thema Mietminderung auch einlenken; im schlimmsten Fall wird einem Mieter nämlich von einem Gericht das Recht auf Kündigung erteilt. Und das ist nie im Sinne des Vermieters. Wie sich Schimmel bildet, können Sie auf dieser Seite noch einmal in allen Facetten nachlesen.

Schimmel im Schlafzimmer: Woher rührt er?

Das Schlafzimmer ist meist der kühlste Raum in einer Mietwohnung. Denn niemand schläft gern bei Temperaturen, wie sie etwa im Wohnzimmer herrschen. Auch wird das Schlafzimmer gern genutzt, um etwa Wäsche zum Trocknen aufzuhängen. Kommen Kühle und Feuchtigkeit zusammen, sind die Grundzutaten für Schimmel im Schlafzimmer schon mal gegeben. Denn eine niedrige Temperatur im Zimmer sorgt dafür, dass die Luft wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann. Wenn eine Sättigung erreicht wird, dann gibt die Luft die Feuchtigkeit wieder ab. Und zwar an den kältesten Stellen im Zimmer, also an Fensterrahmen, hinter Möbeln und dergleichen.

Achten Sie zudem darauf, wo sich die Wetterseite Ihrer Wohnung befindet. Denn eine unzureichende Isolierung sorgt dafür, dass die Außenwand rapide und dauerhaft auskühlt. So hat es die Feuchte in der Luft besonders leicht, sich innen an der Wand niederzuschlagen. Hinter einem großen Schrank findet zum Beispiel auch kein Austausch der Luft statt oder nur ein minimaler. Die Feuchtigkeit, die in der Luft hängt, wird somit auch nicht abtransportiert. Aber natürlich haben Sie als Mieter auch Pflichten, die dazu beitragen sollen, den Schimmel im Schlafzimmer zu verhindern.

Die Obhutspflicht, die ein Mieter hat

Diese Pflicht heißt Obhutspflicht und sie bedeutet, dass Sie Ihr Schlafzimmer so lüften (und wenn nötig auch beheizen) müssen, dass sich hier gar kein Schimmel bilden kann. Für Wohnräume gilt in der Regel, dass sie etwa drei Mal am Tag gelüftet werden sollten. Für Schlafräume gibt es keine gesonderten Richtlinien. Das heißt, dass auch hier dreimaliges Lüften jeden Tag unternommen werden sollte.

  • Zudem hat das Landgericht in Berlin im Jahr 1987 ein Urteil bezüglich der Möbel gefällt. Dort heißt es, dass die Möbel in einem ausreichenden Wandabstand aufgestellt werden müssen. Eine genaue Angabe der Entfernung gibt es dazu nicht. Allerdings hieß es in dem Urteil weiter, dass zehn Zentimeter zu viel und damit nicht zumutbar seien.
  • Lüften heißt überdies: richtig lüften, also Fenster komplett öffnen. Die Fenster nur schrägzustellen, genügt nach Ansicht des Amtsgerichts in Wolfsburg nicht. Dieser Richterspruch wurde im Jahr 1986 gefällt.
  • Idealerweise sollten Sie so lüften, dass in der Wohnung ein Durchzug entsteht. Auf diese Weise wird die Feuchtigkeit aus der Wohnung transportiert. Zudem dürfen Sie das Schlafzimmer nicht komplett auskühlen lassen, auch wenn Sie gern kalt schlafen.

Darüber hinaus gilt: Je kälter ein Raum, desto öfter müssen Sie auch lüften. Wenn Sie keinen Wäschetrockner besitzen, wäre auch zu überlegen, die Wäsche zum Trocknen nicht im kühlsten Raum aufzuhängen. Wenn die Außenwände schlecht isoliert sind, fällt das eigentlich immer in die Verantwortung des Vermieters. Das Landgericht in Oldenburg urteilte im Jahr 1985, dass der Vermieter verantwortlich sei, wenn alte Fenster gegen neue ausgetauscht werden und dabei der Taupunkt der Wand vom Fenster weg hinein in die Wand rückt, die möglicherweise auch nicht schlecht isoliert ist. Das Landgericht in Berlin hat dieses Urteil in einem anderen Prozess im Jahr 2002 quasi bestätigt.

Schimmel im Schlafzimmer: wissenswerte Urteile

Es gibt genügend Umstände, in denen es nichts hilft: Sie als Mieter müssen Schimmel im Schlafzimmer verhindern. Denn die äußeren Gegebenheiten liegen zwar nicht in Ihrer Verantwortung. Aber ein Vermieter muss Sie in der Regel über diese Gegebenheiten aufklären. Daraus erwachsen Ihnen dann Pflichten. Anders sieht es natürlich aus, wenn der Vermieter diese Aufklärung unterlässt. Diese Pflichten bestehen zumeist im Heizen und im Lüften. Dazu gibt es einige interessante Richtersprüche.

  • Ein Mieter darf zwar in erster Linie so heizen und lüften, dass er sich dabei wohl fühlt. Das hat das Landgericht in Marburg im Jahr 1984 so entschieden.
  • Nachts das Schlafzimmer heizen oder einen anderen Raum, ist Ihnen ebenfalls nicht zuzumuten. So urteilten jedenfalls die Landgerichte in Itzehoe und Düsseldorf im Jahr 1982 bzw. 1992.
  • Allerdings hat der Vermieter das Recht, von Ihnen zu verlangen, dass die Temperatur im Raum immer mindestens 15 Grad beträgt; zu diesem Urteil kam das Amtsgericht in Köln im Jahr 1985.
  • Sind die Temperaturen im Winter dauerhaft sehr niedrig, so muss die Zimmerluftfeuchte vom Mieter bekämpft werden. In einem solchen Fall müssen Sie verstärkt lüften. Dieses Urteil fällte das Landgericht in Hamburg im Jahr 1990.
  • Andererseits darf Ihnen ein Vermieter nicht vorschreiben, dass die Temperatur dauerhaft 22 Grad erreicht. Für das Schlafzimmer gilt das schon gar nicht. Es war ebenfalls das Landgericht in Hamburg, das im Jahr 1988 so urteilte.
  • Liegt eine miserable Außenisolierung vor, so wird es in den Räumen im Winter kalt. Unabhängig davon kann Ihr Vermieter Ihnen nicht zumuten, diesen Baumangel selbst auszugleichen, indem Sie mehr heizen als sonst. Das hat das Landgericht in Braunschweig im Jahr 1998 so beschlossen.

Weitere Urteile zu Schimmel im Schlafzimmer

Ganz generell gilt: Für bauliche Mängel sind immer Vermieter verantwortlich. Und sie dürfen Mieter dazu anhalten, in einem gewissen Rahmen dafür zu sorgen, dass sich die Mängel nicht allzu schlimm auswirken; allerdings muss das für Sie als Mieter immer in einem zumutbaren Rahmen bleiben. Ein Vermieter kann von Ihnen nicht verlangen, permanent zu heizen oder zehnmal täglich zu lüften.

  • Schimmel im Schlafzimmer tritt oft gepaart mit Schimmel in anderen Räumen auf. Was das für die Frage des Verschuldens bedeutet, muss ein Gericht immer im Einzelfall klären.
  • Weil es in Schlafzimmer und Küche müffelte und sich Schimmel bildete, erhielt ein Mieter in Hannover Mietminderung. Das dortige Landgericht sprach dem Mieter im Jahr 1982 das Recht auf eine Minderung von zehn Prozent zu.
  • 20 Prozent hielt das Amtsgericht in Osnabrück im Jahr 2006 für gerechtfertigt. Hier war Schimmel im Schlafzimmer und im Wohnzimmer aufgetreten.
  • Weil sehr starker Schimmelbefall vorlag und die Wohnung feucht war, durfte ein Berliner Mieter um 80 Prozent mindern. So entschied es das Landgericht in Berlin im Jahr 1991. Betroffen waren insbesondere das Schlafzimmer, das Wohnzimmer und die Küche.

 

Schimmel im Schlafzimmer – Musterschreiben Mietminderung an Vermieter

Sehr geehrter Vermieter [XY],

am gestrigen Abend haben wir im Schlafzimmer unsere Möbel umgestellt. Dabei haben wir an der Außenwand hinter dem Schrank einen Schimmelfleck entdeckt.

Nun wollen wir nicht in Panik verfallen, weil der Fleck klein ist und noch nicht lange dort existieren kann. Allerdings war der Schrank in ausreichendem Abstand von der Wand aufgestellt (etwa sieben Zentimeter). Zudem lassen wir das Schlafzimmer nicht auskühlen, lüften regelmäßig und trocknen auch keine Wäsche darin.

Insofern vermuten wir, dass ein baulicher Mangel zu dem Schimmel im Schlafzimmer geführt hat. Aber das wissen Sie besser als wir. Unsere Bitte lautet stattdessen, dass Sie sich den Fleck noch in dieser Woche ansehen. Idealerweise beseitigen Sie den Schimmel dann auch umgehend. Wie gesagt – es ist nur ein kleiner Fleck. Doch wollen wir unsere Gesundheit nicht unnötig gefährden. Wir wissen, dass die Atemwege von Schimmelsporen schnell angegriffen werden. Das kann zu schlimmen Erkrankungen führen.

Stand jetzt ist es nicht unsere Absicht, eine Mietminderung zu fordern. Allerdings werden wir auf dieses Mittel zurückgreifen, sollten Sie dieses Schreiben ignorieren. Haben wir bis Freitagabend nichts von Ihnen gehört, werden wir unsere Mietzahlungen an Sie ab Samstag um einen angemessenen Satz mindern – denn eine unnötige Gefährdung unserer Gesundheit werden wir nicht in Kauf nehmen. Unserer Meldepflicht haben wir mit diesem Schreiben Genüge getan.

Mit freundlichen Grüßen, Familie [X]